Wer Papageitaucher (oder auch “Papageientaucher” oder englisch “Puffin”) fotografieren möchte, muss gar nicht so weit reisen: In Europa gibt es mehrere Möglichkeiten die putzigen Vögel sehen zu können. In diesem Artikel erkläre ich, wo und wann man Papageitaucher fotografieren kann und gebe dazu einige Praxistipps.

Wissenswertes

Papageitaucher sind Vögel aus der Familie der Alkenvögel und fallen natürlich vor allem durch den großen roten Schnabel auf. Die Vögel sind etwa so groß wie eine Taube, die Männchen sind etwas größer und schwerer als die Weibchen. Zur Brutzeit im April graben Papageitaucher mit dem Schnabel bis zu 3 Meter lange Höhlen an Gras bewachsenen Steilklippen in die Erde. Sie leben an den Klippen in großen Kolonien, bis sie dann Ende August auf das offene Meer im Atlantik hinaus fliegen und dort bis zur nächsten Brutzeit leben.

In einigen Gebieten schrumpfen die Populationen stark, weshalb Papageitaucher als gefährdete Art gelten.

Canon EOS 5D Mark IV, Canon EF 70-300mm f/4-5.6 USM L IS, 300mm, 1/2500s, f/5,6
Canon EOS 5D Mark IV, Canon EF 70-300mm f/4-5.6 USM L IS, 300mm, 1/2500s, f/5,6

Wo und wann Papageitaucher fotografieren?

Papageitaucher fotografiert man am besten zur Brutzeit von April bis Juni (je nach geographischer Lage), da man sie außerhalb dieser Zeit kaum zu Gesicht bekommt.

Die bekanntesten Orte in Europa, an denen Papageitaucher brüten:

  • Norwegen (Insel Runde, Insel Røst)
    Ich war selbst mehrmals auf der Insel Runde, die auf der Höhe von Ålesund an der Westküste von Norwegen liegt. Die Vögel brüten dort an der Steilklippe, die nur zu Fuß über einen Steilen Pfad erreichbar ist. Da der Tourismus hier stark zugenommen hat, wurde stellenweise ein Zaun errichtet, um so die Besucher von der steilen Klippe und den Papageitauchern fern zu halten. Leider hindert dies einige Touristen manchmal dennoch nicht daran, zu den Vögeln zu klettern um noch näher zu sein – und sie so zu stören. Mittlerweile passen jedoch manchmal Ranger auf, dass die Leute nicht am Zaun vorbei klettern. Die Papageitaucher sind hier nach meiner Erfahrung am späten Abend zu sehen und sind nicht sehr scheu, wenn man sich ruhig verhält.
    Auf der Insel Røst in Nord-Norwegen gibt es ebenfalls eine Große Anzahl Papageitaucher.
  • Island (u.a. VikWestmänner Inseln, Westfjorde)
    Die besten Orte um Papageitaucher auf Island fotografieren zu können sind die Klippen bei Vik, die Westmänner Inseln und die Westfjorde.
  • Färöer-Inseln (Mykines)
    Die autofreie Insel Mykines ist bekannt für die große Anzahl an Papageitauchern. Die Insel kann mit der Fähre oder dem Hubschrauber erreicht werden. Hier habe ich die Papageitaucher am Nachmittag auf der Klippe oberhalb des kleinen Ortes fotografieren können.
  • Großbritannien (Farne-Islands, Trashnish Isles)
    Die Trashnisch Isles und Farne-Islands stehen unter Naturschutz und können nur mit dem Schiff erreicht werden. Hier konnte ich die Papageitaucher am Mittag/Nachmittag fotografieren.

Weitere Länder:

  • Schweden
  • Irland
  • Frankreich (Bretagne)
  • Grönland
  • Neufundland / Labrador

Ausrüstung

Wenn man die Vögel im Flug fotografieren möchte, benötigt man ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von mindestens 200mm, besser 300mm oder mehr. Manchmal kommen die Papageitaucher allerdings so nah, das man sogar ein Weitwinkel-Objektiv nutzen kann (siehe Bild oben). Die Kamera sollte schnell sein, also eine möglichst hohe Anzahl an Bildern pro Sekunde machen und speichern können. Zudem sollte der Autofokus schnell sein. Einige der hier gezeigten Bilder habe ich mit der Canon EOS 6D und dem Canon 70-300mm f/4-5.6 USM L IS gemacht – eine Kamera, die eigentlich aufgrund des eingeschränkten Autofokus nicht unbedingt ideal für derart schnelle Motive ist. Mit etwas Übung funktioniert dies aber trotzdem ganz gut.

Einige Objektive, die sich aus meiner Sicht gut zum Fotografieren von Papageitauchern eigenen:

Canon (EF/EF-S):
Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS II USM für ca. 420€ bei Amazon*
Canon EF 70-300mm f/4-5.6 USM L IS für ca. 1290€ bei Amazon*

Nikon:
Nikon NIKKOR “AF-P 70-300 mm 1:4,5-5,6E ED VR”  für ca. 745€ bei Amazon*

Sony:
Sony SEL-70300G E-Mount Vollformat (FE 70-300 mm, F4.5-5.6 G OSS) für ca. 1230€ bei Amazon*

Ein Stativ habe ich noch nicht benötigt, da dies eher dazu führen würde, das man zu unbeweglich wird.

Praxistipps zum Fotografieren von Papageitauchern

Papageitaucher brüten in Erdhöhlen an Klippen und verlassen diese regelmäßig um Fisch zu fangen – allerdings je nach Ort nicht den ganzen Tag lang, sondern auf der Insel Runde in Mittel-Norwegen zum Beispiel eher am Abend – in England habe ich sie schon am Nachmittag beobachten können. Es kann also sein, dass man am empfohlenen Ort steht, aber keine Papageitaucher sieht. Hier empfiehlt es sich mit Einheimischen zu sprechen oder vorher im Internet zu recherchieren, wann die Vögel an diesem Ort in der Regel zu sehen sind.

Da die Vögel ihre Eier in Erdhöhlen legen sollte man unbedingt darauf achten, das man den Höhleneingängen (und Vögeln) im Gras beim Fotografieren nicht zu nah kommt oder diese gar unbemerkt versperrt. Generell sollte man sich natürlich ruhig verhalten um die Vögel nicht zu stören – leider habe ich häufiger Touristen erlebt, die sich an solche Selbstverständlichkeiten nicht halten.

Meistens startet die gesamte Papageitaucher-Kolonie relativ zeitgleich um Nachschub an kleinen Fischen für die Jungen zu jagen und die Kolonie kommt dann auch gemeinsam zurück, was aber schon mal eine halbe Stunde oder länger dauern kann. Da die Vögel sehr schnell (bis zu 80km/h) und wendig fliegen, sollte man sich einen guten Standort suchen, von dem aus man die Vögel im Anflug auf die Höhlen fotografieren kann. Am besten beobachtet man zunächst eine Weile, um die Anflugrouten (häufig aus derselben Richtung) einzelner Vögel zu erkennen und den richtigen Moment zu erwischen. Kurz vor der Landung breiten die Papageitaucher die Flügel aus und landen dann mit nach vorne ausgestreckten Füßen – manchmal ziemlich holprig.

Papageitaucher mit Fischen im Schnabel
Papageitaucher mit Fischen im Schnabel

Wer noch keine schnellen Vögel im Flug fotografiert hat, sollte dies zuvor üben. Im Urlaub hat man vielleicht nicht die Möglichkeit mehrmals den Ort aufzusuchen, an dem die Papageitaucher zu sehen sind und es wäre daher schade, wenn man dann bei der Gelegenheit mit der Ausrüstung kämpft und am Ende keine brauchbaren Bilder herauskommen. Es gibt in machen Wildparks in Deutschland zum Beispiel die Möglichkeit Greifvögel im Flug (Flugshow) zu fotografieren und so den Umgang mit Kamera, Objektiv und Autofokus zu üben.

4 Tipps zum Fotografieren von Papageitauchern:

  • Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein
    Erkundigen/Recherchieren wann sich die Vögel zeigen.
  • Viel Geduld mitbringen
    Papageitaucher kommen von sich aus oft sehr nah, man sollte sie selbst in Ruhe lassen und Abstand halten.
  • Schnelle Verschlusszeit an der Kamera wählen
    Es empfiehlt sich eine Verschlusszeit von 1/2500s um scharfe Fotos von Papageitauchern im Flug machen zu können.
  • Vorher das Fotografieren von anderen Vögeln im Flug üben
    Zum Beispiel in einem Wildpark das Fotografieren von schnell fliegenden Vögeln üben.

 

Letzte Aktualisierung am 11.05.2019 / Affiliate Links* / Bild: Amazon

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland.

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