Rollei hat im letzten Jahr die “Lion Rock” Stativ-Serie auf den Markt gebracht, die für professionelle Fotografen gedacht ist. In diesem Jahr wurde schon eine überarbeitete Variante des Karbon-Stativs vorgestellt, die einige Verbesserungen im Detail mit sich bringen soll. Wir haben die 2017er Variante des Lion Rock 20, also die erste Version, in der Praxis getestet.

Es sind drei Stative der Lion Rock Serie erhältlich: Das “Lion Rock 20”, “Lion Rock 25” und das “Lion Rock 30”, wobei die Zahl jeweils für die maximale Belastbarkeit in Kilogramm steht. Das “Lion Rock 20” ist also für eine Belastung von 20kg ausgelegt. Neben der Belastbarkeit unterscheiden sich die Stative auch in der minimalen und maximalen Höhe sowie im Gewicht. Hergestellt werden die Stative eigentlich von der chinesischen Firma Fotopro und nicht von Rollei selbst, Rollei vermarktet diese also nur unter der eigenen Marke (“Fotopro exclusive made for Rollei”).

Rollei Lion Rock 20 Stativ
Rollei Lion Rock 20 Stativ

Verarbeitung und Funktionen

Zunächst die technischen Daten des Lion Rock 20 im Überblick:

  • max. Traglast: 20 kg
  • max. Höhe: 151,5 cm
  • min. Höhe: 14,5 cm
  • Gewicht: 1,48kg
  • Packmaß: 52 cm
  • Mittelsäule: 28,5cm (austauschbar, ganz kurze Säule wird mitgeliefert)

Beim Auspacken des Stativs fällt nicht nur sofort die hochwertige Verarbeitung auf, sondern auch der umfangreiche Lieferumfang: In der mitgelieferten Tasche befindet sich neben dem Stativ noch eine zusätzliche, sehr kurze Mittelsäule, drei Imbus-Schlüssel, Ersatz Gummi-Füße, eine Mini-Wasserwage und eine Netz-Ablage. Die Netzablage kann an den drei Beinen befestigt werden und bietet so Platz zur Ablage von Zubehör.

Die Stativbeine sind aus Karbon gefertigt und wirken absolut stabil. Die Beine bestehen aus 4 Segmenten und lassen sich einfach herausziehen und durch die drehbaren Schnellverschlüsse beliebig stufenlos und sehr schnell einstellen. Am Ende der Stativbeine ist eine Skalierung aufgedruckt, damit alle Stativbeine bis zur gleichen Position eingestellt werden können. Die Stativ-Schulter, als dort wo die Beine befestigt sind und der Stativkopf aufgeschraubt wird, ist ebenfalls sehr hochwertig gefertigt und komplett aus Metall. Unter der Stativschulter ist ein drehbarer Haken befestigt, an den man eine Tasche oder Ähnliches als Gegengewicht hängen kann, damit das Stativ z.B. bei sehr starkem Wind noch stabiler steht.

Die Stativbeine können in drei Einstellwinkeln einrasten und lassen sich dabei sehr einfach einstellen. Die Fixierung des Einstellwinkels kommt ohne Schrauben oder Federn aus, sondern wird einfach herausgezogen, der Winkel eingestellt und anschließend wieder eingedrückt.

Die Gummifüße an den Stativbeinen stecken auf den integrierten Spikes und lassen sich ohne Werkzeug abziehen. Falls man die Füße einmal verlieren sollte, liegen dem Stativ weitere Ersatz-Gummifüße bei.

Die lange Mittelsäule kann gegen die mitgelieferte sehr kurze Mittelsäule ausgetauscht werden, um bodennahe Arbeiten zu ermöglichen – die Höhe bis zur Stativplatte (dort wo der Stativkopf aufgeschraubt wird) beträgt dann nur 15cm. Die lange Mittelsäule kann auch verkehrt herum, also mit dem Stativkopf nach unten, montiert werden, was auch bodennahe Aufnahmen ermöglicht.

Erfahrungen in der Praxis

Ich habe das Stativ erst seit einigen Wochen im Einsatz, zur Langlebigkeit kann ich also noch nichts sagen. Mein bisheriger Eindruck ist jedoch, dass wohl noch mehr Stabilität bei gleichzeitig minimalem Gewicht nicht erreichbar ist. Die Stativbeine sind sehr steif und lassen sich auch mit viel Kraft nur minimal verbiegen.

Das Handling ist insgesamt sehr gut: Die Dreh-Schnellverschlüsse an den Beinen sowie die Fixierung der Mittelsäule lassen sich auch mit Handschuhen gut bedienen, da alles sehr griffig ist. Sehr praktisch ist im Alltag die kurze Mittelsäule, die ich mittlerweile standardmäßig montiert lasse, da ich die zusätzliche Höhe der langen Mittelsäule nicht benötige. So sind immer bodennahe Aufnahmen möglich, ohne erst die Mittelsäule auswechseln zu müssen.

Im Vergleich zu meinem bisherigen Stativ (Manfrotto 190CXPRO4 Carbon) fällt die deutlich größere Stabilität auf, obwohl das Lion Rock 20 nur 14 Gramm schwerer ist. Man muss hier fairer Weise allerdings den erheblichen Preisunterschied (ca. 300€ Manfrotto, 750€ Rollei) beachten und die Stative somit natürlich nicht vergleichbar sind.

Unterschiede der Lion Rock-Serie Mark 1 und Mark 2

Die neuere Stativ-Serie (Mark II) wurde im Detail an einigen Stellen verbessert. So gibt es jetzt Dichtungen an den Schnellverschlüssen (Gewinde) an den Stativbeinen, die ein Eindringen von Staub und Wasser verhindern sollen. Die Spikes in den Stativbeinen sind nun leicht angewinkelt, damit sie sich besser in Eis und Schnee festhalten können. Sowhl die neue als auch die bisherige Serie der Lion Rock-Stative ist jedoch nach Herstellerangaben Sand- und Salzwasser-beständig.

Fazit: Rollei Lion Rock 20 Stativ im Test

Technisch gibt es an dem Stativ aus unserer Sicht nichts zu kritisieren – es ist hervorragend verarbeitet, sehr stabil und wird sicherlich sehr viele Jahre zuverlässig auch im harten Einsatz funktionieren. Für die meisten Hobbyfotografen wird dieses Stativ sicherlich “zu viel” sein und mehr bieten, als man jemals brauchen wird.

Für Profifotografen, die ein Stativ für den harten Dauereinsatz ohne Kompromisse brauchen (oder wollen), spielt der Preis von aktuell ca. 750€ dann vielleicht eine kleinere Rolle.

Ich selbst habe das Stativ auf einer Messe sehr günstig erworben, für den regulären Preis hätte ich es nicht gekauft, da es sich für mich einfach nicht lohnen würde. Allerdings gibt es z.B. bei Amazon in den “Warehouse-Deals” manchmal sehr gute Angebote, die das Stativ dann doch wieder preislich interessanter machen.

Die Lion Rock-Stative sind ohne Frage extrem gut verarbeitet, robust und stabil – Ob man diese hohe Stabilität und Qualität zu diesem Preis benötigt, muss jeder selbst entscheiden.

Vorteile

  • Sehr hochwertige, robuste Verarbeitung
  • Sehr stabiler Stand und hohe Traglast
  • Geringes Gewicht
  • Schaumstoff an allen Stativbeinen
  • Einfaches Handling auch mit Handschuhen
  • Integrierte Spikes

Nachteil

  • Sehr hoher Preis

Preis und Verfügbarkeit

Das Rollei Lion Rock 20 Stativ, also das “kleinste” Stativ der Serie, ist für ca. 750€ bei Amazon* erhältlich.
Die neuere Version (Mark II) kostet aktuell ca. 799€ bei Amazon. Die Stative sind als Set mit dem farblich passenden Stativkopf etwas günstiger zu haben.

Letzte Aktualisierung am 10.05.2019 / Affiliate Links* / Bild: Amazon

 

Alternativen zum Lion Rock 20 Stativ

Als robuste Alternative kommen vielleicht die Rock-Solid Stative von Rollei in Frage, die schon ab ca. 310€ z.B. bei Amazon erhältlich sind*.

Manfrotto bietet mit dem MT190GOC4TB 190GO ebenfalls ein leichtes Karbon-Stativ an, das eine schwenkbare Mittelsäule hat. Der Preis für dieses Stativ liegt zur Zeit bei rund 350€ (z.B. bei Amazon).

Ein sehr günstiges Karbon-Stativ bietet Vanguard mit dem Dreibeinstativ “Veo 2 265CB“. Für nur rund 165€ (-> Link zu Amazon*) bekommt man hier ein leichtes Karbon-Stativ mit Kugelkopf.

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland.

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