Besondere Landschaftsbilder entstehen selten zufällig – durch etwas Planung kann man die Chancen auf interessantes Licht oder Wetter deutlich erhöhen. Durch eine bewusste Bildgestaltung, den richtigen Einstellungen und einer gezielten Nachbearbeitung erreicht man zusammen mit dem Wetter die besten Ergebnisse.
In diesem Grundlagenartikel gebe ich fünf Tipps zur Landschaftsfotografie.

Planung: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein

Ich überlege mir nach Möglichkeit vorab, was für ein Bild ich grob machen möchte. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Jahreszeit und das Wetter. Möchte ich zum Beispiel die Hängeseilbrücke Geierley im Nebel fotografieren, so muss ich die passende Jahreszeit, das passende Wetter und die richtige Tageszeit vor Ort erwischen. Es bringt daher (fotografisch) natürlich nichts an einem Sonntag Nachmittag im Juli zur Hängeseilbrücke zu fahren und dann zwischen Menschenmassen zu versuchen das gewünschte Bild zu machen.

Vorbereitung erhöht also deutlich die Chancen das gewünschte Landschaftsbild fotografieren zu können – in diesem Beispiel der Hängeseilbrücke müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Jahreszeit
    Nebel gibt es eher im Frühling oder im Herbst (Vorteil im Herbst: Die interessante Färbung der Blätter)
  • Tageszeit
    Sehr früher Morgen (Wahrscheinlichkeit für Nebel größer, keine oder kaum andere Besucher)
  • Wetter
    Die Wahrscheinlichkeit, das es Nebel gibt sollte möglichst hoch sein. Hier ist es sehr hilfreich zu wissen, wie Nebel entsteht und man sollte den lokalen Wetterbericht für den Ort Mörsdorf (Nähe Hängeseilbrücke) verfolgen. Die Vorhersage für Nebel ist allerdings oft falsch, es kann sein, dass man mehrere Versuche benötigt, bis man das gewünschte Bild machen kann.

Nicht alle Bilder entstehen komplett geplant. So war das Bild von den Lofoten in Norwegen (4. Bild oben) vorab nicht geplant, sondern ich habe in dieser Nacht versucht das Beste aus den Bedingungen zu machen. In diesem Fall musste ich nur etwas warten, bis die Sonne so tief unter den Wolken stand, dass sie zwar deutlich sichtbar ist, dabei aber nicht zu stark wird.

Das Tolle am Sommer in Norwegen ist, das die Sonne nicht ganz unter geht und man so bei gutem Wetter unglaublich viel Zeit für Bilder bei tollem Licht hat. Aber auch schlechtes Wetter lässt sich für Fotos nutzen, wie das nachfolgende Bild zeigt. Hier gilt es dann durch die Nachbearbeitung die Dramatik des Wetters und des Lichts auf den Färöer-Inseln zu unterstreichen.

Saksun/Färöer-Inseln - Tipps für Landschaftsbilder
Saksun/Färöer-Inseln

Das interessanteste Licht gibt es meistens vor/bei Sonnenaufgang und bei/nach Sonnenuntergang. Es empfiehlt sich daher unbedingt so früh wie möglich VOR dem Sonnenaufgang am geplanten Ort zu sein und auch nach dem Sonnenuntergang noch etwas zu bleiben.

Landschaftsbilder bewusst gestalten

Es gibt eine Reihe von einfachen Gestaltungsregeln, die man befolgen kann um bessere Landschaftsbilder zu machen. Diese Regeln sind eher als Hilfen zu verstehen und nicht in Stein gemeißelt.

Wenn man darauf achtet, wird man in vielen Bildern sehen, dass der Bildaufbau nach der “Drittel-Regel” oder dem “Goldenen Schnitt” gestaltet wurde.
Bei Nutzung der Drittel-Regel wird das Bild gedanklich in 9 gleich große Teile zerlegt und das Hauptmotiv dann an einen der vier Schnittpunkte platziert. Im Beispielbild unten habe ich die Kirche auf dem linken oberen Schnittpunkt gelegt. Gleichzeitig habe ich darauf geachtet, dass andere wichtige Teile des Bildes ebenfalls auf den Schnittpunkten liegen.

Beispielbild zum Bildaufbau eines Landschaftsbildes
Beispielbild zum Bildaufbau eines Landschaftsbildes

Der Bach fließt aus der linken unteren Bildecke in Richtung Fjord und führt das Auge des Betrachters so von links nach rechts in das Bild hinein. Wir lesen von links nach rechts, daher ist es auch hilfreich das Bild grob so zu gestalten, dass das Auge “ungehindert” von links nach rechts das Bild betrachten kann und nicht durch optische Barrieren gestoppt wird.

Zur Bildkomposition von Landschaftsbildern ist es hilfreich die Gitternetz-Einblendung in der Kamera zu aktivieren (bieten fast alle Kameras). So kann im Sucher bzw. auf dem Display ganz einfach das Bild nach der Drittel-Regel aufgebaut werden.

Bei der Aufnahme sollte man sich immer bewusst fragen, was das Bild tatsächlich ausmacht und was man weglassen kann. Ist es der interessante Himmel? Oder ist es eher der Vordergrund? Wenn es eher der Vordergrund ist, muss ich den Himmel im Bild nicht zeigen. Es geht darum bewusst zu entscheiden, welche Teile des Motivs in das Bild passen und welche nicht.

Vordergrund wählen

Landschaftsbilder wirken oft interessanter, wenn man bewusst ein Objekt im Vordergrund auf einem der beiden unteren Schnittpunkte platziert. Das kann z.B. ein Riss in einer Eisfläche, eine Spiegelung oder ein Stein sein, wie im folgendem Bild:

Langzeitbelichtung in Norwegen/Lofoten
Langzeitbelichtung in Norwegen/Lofoten

Die für das Bild passenden Einstellungen wählen

Die für das Landschaftsbild gewählten Kamera-Einstellungen haben gravierende Auswirkungen auf das Bildergebnis. Eine sehr lange Belichtungszeit kann zum Beispiel interessante Effekte erzielen, die ich mit einer kurzen Belichtungszeit gar nicht erreichen kann und das Bild dann ganz anders wirkt.

Die beiden folgenden Bilder wurden zur gleichen Zeit am gleichen Ort in Korsika bei Bonifacio aufgenommen. Das erste Bild links ist ein Smartphone-Foto, das ich gemacht habe als die große Kamera gerade die Langzeitbelichtung (110 Sekunden mit Graufilter) gemacht hat, die daneben zu sehen ist.

Neben dem unterschiedlichen Bildformat und der Bildqualität ist die Bildwirkung insgesamt natürlich ganz unterschiedlich. Es handelt sich um zwei ganz andere Bilder, die aber beide gleichzeitig aufgenommen wurden und den Einfluss der gewählten Einstellung (und Kamera/Objektiv) auf das Bildergebnis zeigen.

Fokuspunkt wählen

In Landschaftsbildern möchte man meistens eine durchgängige Schärfe vom Vordergrund bis in den Hintergrund haben. Dies erreicht man durch die Wahl einer kleinen Blendenöffnung (große Blendenzahl) wie f/11. Es kann sein, dass diese Blende dennoch nicht ausreicht um den  Vorder- und Hintergrund scharf abzubilden. In diesem Fall ist es sinnvoll zwei oder mehrere Bilder mit unterschiedlich platzierten Fokuspunkten (Vorne, Mitte, Hinten) zu machen und die Bilder später bei der Nachbeabreitung zu einem Bild zu kombinieren.
Dieses Verfahren nennt sich “Focus stacking” und wird u.a. in Youtube-Videos erklärt.

Häufig reicht es aber aus, den Fokus auf ein wichtiges Motivteil im unteren ersten Bilddrittel zu legen, da die Tiefenschärfe durch die kleine Blendenöffnung dafür sorgt, dass auch der Hintergrund noch relativ scharf abgebildet werden kann. Zu beachten ist, dass man es hier mit der Blende nicht übertreiben sollte, da eine noch kleinere Blendenöffnung als f/11 oder f/13 (je nach Objektiv unterschiedlich) dafür sorgt, dass es nicht noch schärfer, sondern wieder unschärfer wird. Jedes Objektiv hat eine Blende, die zur optimalen Abbildungsleistung des Objektivs führt (Häufig im Bereich von Blende f/8 bis f/11). Im folgendem Beispielbild lag der Fokus in etwa auf dem Eis vorne links etwas unterhalb des gedachten Schnittpunktes aus der Drittel-Regel.

Sonnenuntergang an gefrorenem See in Nord-Norwegen
Sonnenuntergang an gefrorenem See in Nord-Norwegen

Wer keine bewusst lange Belichtungszeit nutzen möchte, kann die Kamera einfach auf Zeitautomatik einstellen (bei Canon “Av” oder bei anderen Kameras auch “A”) und die gewünschte Blende einstellen, z.B. Blende f/11. Die Kamera ermittelt dann die benötigte Belichtungszeit selbstständig. Zu beachten ist hier, dass die Kamera nicht die ISO-Empfindlichkeit anhebt (z.B. auf ISO 1600) um die kleine Blendenöffnung auszugleichen. Also am besten die ISO auf den niedrigsten (aber nativen) Wert fest einstellen (i.d.R. ISO 100 oder ISO 200) und die ISO-Automatik deaktivieren.

Stativ benutzen

Je nachdem, was für ein Landschaftsbild man machen möchte, kommt man gar nicht um die Nutzung eines Stativs herum. Bei Langzeitbelichtungen, die mit Hilfe eines Graufilters gemacht werden, wird die Aufnahme mehrere Sekunden oder Minuten belichtet, um zum Beispiel Wasser “glatt” oder “nebelig” darzustellen. Für solche Aufnahmen darf sich die Kamera natürlich absolut nicht bewegen, auch nicht wenige Millimeter (durch z.B. Wind, der an der Kamera wackelt). Daher ist ein stabiles Stativ notwendig, das sicher aufgestellt wird.

Langzeitbelichtung am Meer (Lofoten/Norwegen)
Langzeitbelichtung am Meer (Lofoten/Norwegen)

Ich sehe einen weiteren Vorteil bei der Nutzung eines Stativs darin, das dies die Arbeit etwas entschleunigt und man so vielleicht auch bewusster fotografiert und sich mehr Gedanken macht.

Letzte Aktualisierung am 13.05.2019 / Affiliate Links* / Bild: Amazon

Gezielte Bildbearbeitung von Landschaftsbildern

Die Nachbearbeitung von Bildern ist natürlich Geschmacksache – die einen mögen es lieber “puristisch” (also eher wenig Nachbearbeitung), die anderen kreieren in der Nachbearbeitung mit viel Aufwand fast ganz neue Bilder. Ich selbst möchte eher wenig Zeit in die Nachbearbeitung stecken. Auch deshalb benutze ich schon bei der Aufnahme oft Filter und versuche nicht, das Bild erst bei der Nachbearbeitung entstehen zu lassen. Landschaftsfotografie hat für mich etwas “meditatives” und ich genieße die Zeit draußen, auch bei heftigem Wetter und schwierigen Bedingungen.

Die anschließende Bildbearbeitung gehört dazu, allerdings konzentriere ich mich dabei eher darauf, das Bild so zu bearbeiten, wie ich es bei der Aufnahme “gesehen” habe – nicht nur optisch, sondern auch emotional. Diese Eindrücke lassen sich gezielt bei der Nachbearbeitung verstärken um dem Bild die gewünschte Aussagekraft zu geben. Wichtig ist also auch hier die Frage “Was macht das Bild eigentlich aus?”.

In den beiden folgenden Bildern ist links jeweils das unbearbeitete Originalbild zu sehen, rechts das fertige Bild nach der Bearbeitung in Adobe Lightroom.

Originalbild: Nach Mitternacht auf den Lofoten/NorwegenNach Mitternacht auf den Lofoten/Norwegen

Bei der Bearbeitung von manchen Bildern weiß ich jedoch anfangs noch gar nicht, wohin ich mit dem Bild möchte. In solchen Fällen hilft es mir einfach mal verschiedene Dinge auszuprobieren (Farbtemperatur, Teiltonung in verschiedenen Farben, mit Vignette oder ohne, Lightroom-Presets, usw.). Die virtuellen Kopien in Adobe Lightroom ermöglichen hier verschiedene Bearbeitungen abzuspeichern und anschließend zu vergleichen.

Wenn ich mir gar nicht sicher bin welche Version ich am Ende als “final” bezeichnen möchte, lasse ich das Bild eine Zeit lang liegen. Manchmal hat man plötzlich nach einigen Tagen oder Wochen die Idee, wie das Bild aussehen und wirken soll.

Originalbild: Moselschleife bei BremmMoselschleife bei Bremm

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland.

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