Seit einigen Wochen ist die neue spiegellose Vollformatkamera A7 III von Sony erhältlich – wir haben die Kamera in der Praxis ausprobiert und auch mit der Canon 5D Mark IV verglichen.

Lieferumfang und der erste Eindruck

Beim Auspacken der Kamera fällt sofort das geringe Gewicht der Sony A7 III auf – insbesondere natürlich dann, wenn man sonst mit größeren Spiegelreflex-Kameras arbeitet. Die Kamera liegt gut in der (bzw. meiner Hand) und fühlt sich wertig an. Die Knöpfe haben einen deutlichen Druckpunkt und die Drehrädchen sind nicht so leichtgängig, dass sie sich versehentlich verstellen könnten.

Der Einschalter der Kamera kann problemlos mit dem rechten Zeigefinger erreicht werden, der Daumen bedient das Rad zur Auswahl des Aufnahmemodus, die Belichtungskorrektur (beides oben), sowie ein Rad zur Auswahl der Blende oder der Belichtungszeit. Ein Joystick, der z.B. zur Bedienung des Menüs und der Wahl des Fokuspunktes genutzt werden kann, ist ebenfalls mit dem Daumen erreichbar. Wer Videos aufzeichnen möchte, kann die Aufnahme jetzt mit einem Daumendruck auf eine Taste rechts unter dem elektronischen Sucher starten.

Sony a7 III - Rückseite Sony A7 III – Rückseite

 

Spätestens beim Auspacken fällt dann auch auf, dass sich im Lieferumfang der Kamera leider kein externes Ladegerät befindet. Somit kann der Akku nur in der Kamera geladen werden, die per USB-C Kabel am mitgelieferten Netzteil angeschlossen wird. Wer also fotografieren und gleichzeitig einen zusätzlichen Akku laden möchte, muss sich ein externes Ladegerät kaufen.

Im Lieferumfang der Kamera befindet sich ansonsten ein Akku, der übliche Tragegurt, ein USB-Kabel, USB-Netzteil und das Kaltgeräte-Kabel.

Praxiserfahrungen mit der Sony A7 Mark III

Ich fotografiere seit vielen Jahren mit digitalen Spiegelreflexkameras, aktuell mit der Canon 5D Mark IV. Vor dem Kauf der 5D Mark IV habe ich tatsächlich erstmals über einen Wechsel zu Sony nachgedacht, mich nach längerer Recherche und Überlegung aber doch dagegen entschieden. Im Detail gab es dann für mich damals doch noch zu viele Nachteile, wie zum Beispiel eine geringe Akkulaufzeit, eine kleinere Auswahl an Objektiven und eine kompliziertere Bedienbarkeit – abgesehen davon, dass ein Systemwechsel eben sehr teuer ist.

Nachdem ich sehr viele reviews zur Sony A7 III gelesen habe, hatte ich nun also Gelegenheit die Sony A7 III selbst auszuprobieren. Als DSLR-Nutzer hatte ich Bedenken, dass mir die Sony-Kamera zu klein ist und somit die Bedienung zu fummelig. Diese Befürchtung hat sich jedoch für mich nicht bestätigt – das ist aber sicherlich auch Geschmacksache.

Kurztest Sony a7 III Kurztest Sony A7 III

 

Ich habe viel über die sehr verschachtelten Menüs und damit umständliche Bedienbarkeit bei den bisherigen Sony-Kameras gelesen. Ich habe keinen direkten Vergleich zu den Vorgänger-Modellen, Sony hat jedoch laut verschiedenen Testberichten die Menüs deutlich aufgeräumt und logischer gestaltet.

Im Vergleich zur Menüführung bei Canon sind die Menüs bei der A7 III etwas unübersichtlicher und enthalten zum Teil unverständliche Abkürzungen. Ein riesen Problem ist dies jedoch nicht, ich habe mich recht schnell an die Menüführung gewöhnt. Außerdem ist es (wie bei Canon) möglich einzelne Funktionen in ein eigenes, angepasstes Menü einzusortieren und so einen schnelleren Zugriff auf die ausgewählten Funktionen zu erhalten.

Sony hat zwar ein Touch-Display verbaut, aber keine vollständige Bedienung per Fingerdruck umgesetzt. So lässt sich zum Beispiel der Fokuspunkt per Fingerdruck direkt auf dem Display einstellen, die Einstellungen im Menü jedoch nicht. Auch lässt sich ein aufgenommenes Bild bei der Wiedergabe nicht durch eine Finger-Geste (pinch to zoom) vergrößern, verschieben lässt es sich jedoch schon. Im Wiedergabemodus für aufgenommene Videos wird in der Vorschau sogar ein großes “Play-Symbol” angezeigt, das Video kann aber nicht über den Touchscreen gestartet werden.

Bei den ersten Testaufnahmen ist mir der elektronische Sucher direkt positiv aufgefallen, der ja häufig als Nachteil bei spiegellosen Kameras aufgeführt wird.
Ja, der elektronische Sucher flackert und/oder rauscht je nach Lichtsituation etwas. Aus meiner Sicht überwiegen die Vorteile hier jedoch deutlich. So sind z.B. die gewählten Einstellungen und Auswirkungen auf das Bild direkt im elektronischen Sucher sichtbar und auch das Histogramm kann eingeblendet werden, was einfach sehr praktisch ist.

Praktisch ist auch das neigbare Display, das mehr Flexibilität als das feststehende Display der Canon 5D Mark IV bietet. Bodennahe Aufnahmen werden so einfach möglich, ohne sich auf den Boden legen zu müssen. Der Akku reicht jetzt nach Angaben von Sony für etwa 610 Aufnahmen, in der Praxis bin ich mit dem einen Akku locker über den Tag gekommen. Mindestens ein zweiter Akku ist aber sicherlich zu empfehlen.

Mit den Videofunktionen der Kamera habe ich mich nicht beschäftigt, im Vergleich zur Canon bietet Sony hier jedoch sicherlich mehr – alleine das auch in der Praxis wirklich nutzbare Dateiformat der 4k-Videoaufnahmen sei hier erwähnt (XAVC S).

Sony A7 III im Vergleich zur Canon 5D Mark IV

Der direkte Vergleich der beiden Kameras bei dxomark.com zeigt die Sony A7 III in fast allen technischen Eigenschaften vorne – vom Dynamikumfang über die Serienbildgeschwindigkeit (Sony: 10 Bilder/Sekunde, Canon: 7 Bilder/Sekunde) bis zur Anzahl der Autofokuspunkte (Sony: 693, Canon: 61). Mit 30,4 Megapixeln hat die Canon 5D Mark IV jedoch eine höhere Auflösung als die Sony A7 Mark III (24,3 Mpx). Auch das Display auf der Rückseite hat bei der Canon eine deutlich höhere Auflösung (Canon: 1.620.000 Pixel, Sony: 921.600 Pixel). Beide Kameras sind gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet.

Quelle: dxomark.com Quelle: dxomark.com

Dynamikumfang

Um selbst ein Gefühl für den Dynamikumfang zu bekommen, habe ich mit der Sony A7 III auch unter schwierigen Lichtbedingungen bei starkem Sonnenlicht und sehr dunklen Schattenbereichen Testaufnahmen gemacht. Mit 14,6 Blendenstufen Dynamikumfang bietet die Sony A7 III noch eine Blende mehr als die Canon 5D Mark IV und fast so viel wie die Nikon D850 mit 14,8 Blendenstufen.

Um einen direkten Vergleich mit der Canon 5D Mark IV zu erhalten habe ich mit beiden Kameras gleichzeitig Bilder gemacht (identische Einstellungen an der Kamera) und die Bilder anschließend in Lightroom mit identischen Einstellungen bearbeitet.

(Links: Canon 5D Mark IV, Rechts: Sony A7 III)
Beide Kameras: ISO 100, Blende f/11, 1/20 Sekunde Belichtung
Lightroom-EInstellungen zur Belichtung: Belichtung: +1.80, Lichter: -100, Tiefen: +100

Die Aufnahmen sind nicht unter Labor-Bedingungen entstanden, sie zeigen aber welche Reserven an Bildinformationen in den Rohdaten der Sony A7 III (und der Canon 5D Mark IV) enthalten sind. Einen großen Unterschied zur Canon ist hier wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht spürbar, die Sony liegt hier aber mindestens auf oder etwas über dem Niveau der Canon – was ja auch die Messungen bei dxomark.com im Labor gezeigt haben.

Zum gleichen Ergebnis kommt z.B. auch Matt Quinn (-> Youtube), der beide Kameras auf einem ähnlich hohem Niveau sieht, wenn es um den Dynamikumfang geht.

Serienbilder, Autofokus und Bildrauschen

Ich hatte Gelegenheit sowohl die Sony als auch die Canon-Kamera bei einem Radrennen mit Teleobjektiv zu testen. Ziel war es, möglichst viele “brauchbare” (Fokus sitzt) Fotos der Radfahrer zu schießen, die sich schnell auf die Kamera zubewegt haben und dann abgebogen sind. Die Testbilder der Sony sind mit dem Sony SEL-70300G G Tele-Zoom (70-300 mm, F4.5-5.6 OSS) entstanden, die Bilder der Canon mit dem Canon EF 70-300mm f/4-5.6 USM L IS.  Hier konnte ich einen ersten Eindruck des Autofokus der Sony A7 III erhalten, der mich doch sehr überrascht, oder besser begeistert hat.

Mit den mehr als 690 Autofokuspunkten war es problemlos möglich die Radfahrer zu verfolgen. Die Kamera hat das Motiv “erkannt”, über das gesamte Bild bis zum Rand verfolgt und dabei kontinuierlich den Fokus nachgezogen. So gerne ich mit der Canon fotografiere – zumindest in diesem Anwendungsfall war die Sony klar überlegen. Nicht nur der Autofokus war schneller, präziser und deckt einen viel größeren Bereich auf dem Bild ab, sondern auch die 10 Bilder/Sekunde gegenüber den 7 Bildern/Sekunde bei der Canon waren hier sehr hilfreich.

Ob der Autofukus der Sony bei schwächeren Lichtverhältnissen auch derart gut funktioniert, konnte ich noch nicht abschließend testen.

Im direkten Vergleich der Testbilder mit gleicher ISO-Empfindlichkeit zeigt die Sony jeweils ein etwas geringeres Bildrauschen, was allerdings wenn dann nur in einer stark vergrößerten Ansicht der Fotos auffällt. Auf der anderen Seite enthalten die Bilder der Canon etwas mehr Details. Im Youtube-Video von Matt Quinn ist dies ebenfalls in den Astro-Beispielbildern erkennbar.

Testbilder Sony A7 III im RAW-Format

Ich habe einige Testbilder aufgenommen, die unten im RAW-Format heruntergeladen werden können.

Testbild 1: Download
Testbild 2: Download
Testbild 3: Download
Testbild 4: Download

Vor- und Nachteile der Sony A7 III

Meine Erfahrungen beziehen sich auf einen Test-Zeitraum von wenigen Tagen. Wie robust das Gehäuse im härteren Einsatz dann wirklich ist und ob die Kamera im Dauereinsatz zuverlässig funktioniert, kann ich daher nicht beurteilen. Die Vor- und Nachteile die ich bisher sehe, habe ich in einer Übersicht zusammengestellt.

Vorteile

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Sehr hoher Dynamikumfang (14,6 Blenden)
  • Sehr gute Bildqualität
  • Hervorragender Autofokus mit 693 AF-Punkten (Phasen-AF)
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • 5-Achsen Bildstabilisierung
  • 2 SD-Karten Slots
  • Wifi + Bluetooth
  • Display nach oben und unten neigbar (jedoch nicht zur Seite)

Nachteile

  • Keine vollständige Touch-Bedienung am Display möglich
  • Kein Ladegerät im Lieferumfang (Ladung über USB-Kabel in der Kamera)
  • Für manche Fotografen vielleicht wichtig: Kein integriertes GPS

Fazit: Sony A7 III – spiegellose Vollformatkamera im Praxistest

Die Sony A7 III überzeugt: Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, die Bildqualität ist hervorragend und Sony hat Nachteile der Vorgänger-Modelle behoben. Im Vergleich zur Canon 5D Mark IV sehe ich wenig, das technisch für die Canon spricht – Sony hat hier einfach in den letzten Jahren sehr vieles richtig gemacht und konsequent an Problemen, wie einer geringen Akkulaufzeit und einer komplizierten Bedienung, gearbeitet. Nikon hat bereits eine spiegellose Vollformat-Kamera angekündigt, entsprechende Gerüchte gibt es auch bei Canon.

Zumindest für mich hat eine spiegellose Kamera wie die Sony A7 III deutlich mehr Vorteile als Nachteile und ich sehe keinen Grund mehr, der prinzipiell gegen ein spiegelloses System spricht.

Für viele Fotografen sind GPS-Informationen in den Bildern vermutlich nicht so wichtig, für mich sind die Ortsinformationen jedoch äußerst praktisch und die GPS-Funktion der Canon 5D Mark IV ein sehr häufig genutztes Feature. Daher finde ich es sehr schade, dass Sony keinen GPS-Empfänger integriert hat.

Völlig unverständlich ist für mich, warum Sony die Touch-Bedienung auf dem Display nicht konsequenter umgesetzt hat und nur eine derart eingeschränkte Lösung bietet. Für viele Fotografen ist dies aber sicherlich verschmerzbar, zumal die Sony preislich deutlich unter der Canon 5D Mark IV angesiedelt ist.

Weitere Informationen:

  • Alle technischen Informationen zur A7 III gibt es direkt auf der Produktseite bei Sony.
  • Stephan Wiesner hat seine Meinung zur Kamera in einem ausführlichen Video auf Youtube dargestellt.
  • Test der Sony A7 III bei dxomark.com

Die Sony A7 III ist zum Preis von knapp 2300€ z.B. bei Amazon* erhältlich.

Letzte Aktualisierung am 11.05.2019 / Affiliate Links* / Bild: Amazon

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland.

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