Canon hat im Februar 2018 die neue Systemkamera “EOS M50” vorgestellt, eine Ergänzung der spiegellosen EOS M-Serie. Ich hatte Gelegenheit mir die Kamera für einige Tage zu leihen und berichte in diesem Artikel über meine Praxiserfahrungen.

Um meine Bemerkungen und meine Meinung zur Kamera besser einordnen zu können, vorweg einige Worte zu meinem fotografischen Hintergrund:

Ich fotografiere seit über 15 Jahren, jedoch nicht beruflich. Die letzten 10 Jahre habe ich mit APS-C und später Vollformat-Kameras (aktuell Canon EOS 5D Mark IV) von Canon fotografiert, hauptsächlich Landschaft & Natur in Deutschland, Benelux und Skandinavien. Warum eigentlich Canon? Mittlerweile wurde bei allen Herstellern ein technisches Niveau erreicht, das qualitativ hochwertige Aufnahmen mit eigentlich jeder aktuellen Kamera erlaubt – viel wichtiger ist hier das Objektiv. Die Hersteller unterscheiden sich für mich vor allem in den Punkten Bedienbarkeit, Objektivauswahl, Preis und Innovation.

Canon (und Nikon) gehören für mich nicht zu den innovativsten Herstellern, liefern aber doch durch die jahrzehntelange Erfahrung kontinuierlich eine solide Qualität. Ich fotografiere seit mehr als 10 Jahren mit Canon-Kameras, weil ich es gewohnt bin, die passenden Objektive habe und mich das Bedienkonzept bis heute überzeugt – und natürlich weil sie meine technischen Anforderungen erfüllen.

Die in Foren häufig emotional geführten Diskussionen ob nun Nikon, Canon oder Sony die “besseren” Kameras herstellt sind aus meiner Sicht albern. Es geht darum, welche Kamera für meinen Anwendungsfall geeignet ist und mit welcher Kamera ich mich “wohl” fühle. Alle Hersteller bzw. Kameras haben ihre Vor- und Nachteile. Wenn ich hauptsächlich z.B. im Bereich Alpinsport fotografieren würde, hätte ich mich sicher für eine andere (kleinere) Kamera als die schwere Vollformatkamera entschieden – vielleicht auch von einem anderen Hersteller. Nun aber zurück zur M50.

Erster Eindruck

“Och wie süß!” – so in etwa könnte man meinen ersten Gedanken beschreiben, als ich die Kamera zum ersten Mal in der Hand hatte. Die Kamera ist wirklich kompakt und leicht, liegt aber für die geringe Größe trotzdem noch recht gut in der Hand. Das Gehäuse ist aus Kunststoff, das allerdings nicht “billig” wirkt. Die Knöpfe haben einen gut spürbaren Druckpunkt, nur das Drehrad oben auf dem Gehäuse (u.a. Einstellung der Blende oder Verschlusszeit) ist für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig und könnte “robuster” sein. Das 3-Zoll Touch-Display ist klapp- und schwenkbar und macht sowohl von der Anzeigequalität als auch von der Toch-Bedienung einen sehr guten Eindruck. Das zusätzliche Display (OLED, 2,3 MP) im “Sucher” der Kamera bietet z.B. bei starkem Sonnenlicht eine sehr gute Alternative zum großen Klapp-Display.

 

Ich gehe an dieser Stelle nicht auf alle technischen Daten ein, die man direkt bei Canon nachlesen kann. Die wichtigsten technischen Daten und Funktionen habe ich jedoch zusammengestellt.

Die wichtigsten technischen Daten und Funktionen der Canon EOS M50 im Überblick:

  • 24,1 Megapixel CMOS Sensor
  • Dual Pixel CMOS Autofocus (nicht bei 4k Video)
  • DIGIC 8 Prozessor
  • Dreh- und schwenkbares Display
  • Wifi + NFC + Bluetooth (kein GPS)
  • 4K Video
  • Mikrofoneingang
  • 10 Bilder / Sekunde (bis zu 33 JPEGs und 10 RAWs)
  • Sensorreinigung integriert
  • MF Peaking (“Fokus-Peaking”)
  • Neues RAW Format: CR3 (14 Bit)
  • SD-, SDHC- oder SDXC (UHS-I)-Speicherkarten
  • Objektivbajonett: EF-M (EF und EF-S Objektive mit optionalem Adapter)

Ich habe die Canon EOS M50 mit dem “Kit-Objektiv” 15-45mm (EF-M15-45mm f/3.5-6.3 IS STM) getestet, welches als Set mit dem Gehäuse für zusammen ca. 700€ erhältlich ist (Body: 580€). Das Objektiv kostet einzeln ca. 160€ und liegt damit preislich natürlich im Einsteiger-Bereich.

Praxiserfahrungen mit der Canon EOS M50

Da mich Test-Charts unter Laborbedingungen eher langweilen, habe ich die Kamera einfach in der Praxis getestet und auch den (sehr unfairen) Vergleich zu den Bildergebnissen der Canon 5D Mark IV mit teurem Canon L-Objektiv aus einer völlig anderen Preisklasse hergestellt – also bewusst ein Apfel- mit Birnen- Vergleich, der aber doch zeigt, was sehr günstige Kameras/Objektive mittlerweile erreichen können.

Einige Einstellungen der Kamera lassen sich über Knöpfe und Drehregler direkt einstellen, wobei sich das Rädchen auf der Oberseite je nach Modus Funktionen teilen muss (Belichtungszeit und Blende). Möchte man z.B. im manuellen Modus die Belichtungszeit ändern, so muss man zunächst über einen Knopfdruck die Einstellung der Belichtungszeit aktivieren um diese danach mit dem Drehrädchen einzustellen. Im Av- oder Tv-Modus kann die Blende bzw. die Belichtungszeit hingegen direkt mit dem Drehrad eingestellt werden.

Die Kamera bietet die Funktion “Fokus-Peaking”, also das “Hervorheben des Fokus” im Bild, wenn man den Autofokus abgeschaltet hat. Dazu markiert die Kamera im Live-Bild den Bereich im Bild, der im Fokus liegt, rot (Funktion ist abschaltbar). Dies ermöglicht zusätzlich oder als Alternative zur Lupen-Funktion ein schnelles manuelles Fokussieren. Es ist sehr schade, dass diese Funktion nicht auch in den anderen Modellreihen bei Canon vorhanden ist – die EOS 5D Mark IV bietet diese Funktion zum Beispiel nicht.

Canon EOS M50 - "Focus peaking" (Schärfeebene wird rot markiert)
Canon EOS M50 – “Focus peaking” (Schärfeebene wird rot markiert)

Mit den von Canon angegebenen 235 Bildern pro Akku-Ladung (Videoaufnahme ca. 85 Minuten) ist der Akku leider relativ schwach. Für längere Foto-Touren sollte man sich daher einen Zweitakku kaufen, die es z.B. bei Amazon schon für knapp 16€ von Duracell* gibt (Originalakku von Canon: ca. 45€ bei Amazon*).

Bei den Testaufnahmen war das Bild auf beiden Displays (Klappdisplay und Display im Sucher) klar und sehr gut erkennbar, auch die Touch-Bedienung funktionierte sehr gut. Die klare Menüführung und Struktur ähnelt den Menüs in anderen Canon-Kameras und bietet Informationen zu den Einstellungen und Hilfe-Texte (abschaltbar). Der Autofokus funktionierte in meinen Tests sehr schnell, lautlos (STM-Objektiv) und präzise, auch bei bewegten Objekten.

Die Bedienung der Tasten an der Kamera ist natürlich aufgrund der geringen Größe des Gehäuses “fummeliger” als an einer größeren Spiegelreflex-Kamera. Versehentlich verstellt habe ich allerdings nichts.

Canon EOS M50 - Dreh- und klappbares Touch-Display
Canon EOS M50 – Dreh- und klappbares Touch-Display

 

Nachdem ich die ersten Testbilder gemacht hatte, wollte ich diese natürlich in Adobe Lightroom importieren. Dazu lege ich normalerweise die Speicherkarte in ein Kartenlesegerät ein und importiere die Bilder direkt von der Speicherkarte in Lightroom – in diesem Fall wurden die (CR3 RAW-) Bilder jedoch nicht im Import-Dialog in Lightroom angezeigt. Meine erste Vermutung war, das Adobe Lightroom die neuen Bilddateien der EOS M50 noch nicht unterstützt – laut Support-Seite von Adobe wird die Kamera und das neue RAW-Format CR3 jedoch seit April 2018 unterstützt.

Des Rätsels Lösung war dann schließlich der Speicherort der Dateien: Die Bilder lassen sich nicht direkt von der Speicherkarte in Lightroom importieren, sondern müssen zuerst auf Festplatte kopiert werden und können dann von dort problemlos in Lightroom importiert werden. Hierbei handelt es sich offenbar um einen Softwarebug in Lightroom.

Beispielbilder: Kit-Objektiv gegen Canon L-Objektiv

Zunächst zwei Bild-Ausschnitte in einer 100% Ansicht (Original: RAW) zum Vergleich der Schärfe, die mit denselben Einstellungen an den beiden Kameras gemacht wurden: ISO 100, f/11, 1/25 Sek, keinerlei Bearbeitung in Lightroom (Schärfe: “0”). Brennweiten: EOS M50 mit 15-45 Kit-Objektiv: 18mm, EOS 5D Mark IV mit Canon 17-40mm: 23mm.

Beide Bilder sind unscharf, das der M50 jedoch noch unschärfer als das der 5D Mark IV:

Schärft man die RAW-Bilder in Lightroom etwas nach, kann sich das Ergebnis jedoch sehen lassen (Schärfe-Regler auf 40, 100% Ansicht):

Die beiden Objektive sind eigentlich nicht vergleichbar – das 15-45mm Kit-Objektiv kostet etwa 160€, das Canon 17-40mm L etwa 670€. Es gibt natürlich mehr relevante Objektiveigenschaften als die Schärfe (Lichtstärke, Verarbeitung, Verzeichnung, Chromatische Aberration u.s.w.) – aber was die Schärfe angeht kann man hier am 15-45mm zumindest bei 18mm nicht viel aussetzen, schon gar nicht bei dem Preis. Wie das Kit-Objektiv ist auch das 17-40mm L im Randbereich nicht so scharf wie in der Mitte, was allerdings bei fast allen Weitwinkel-Objektiven der Fall ist.

Weitere Beispielbilder – Grenzen des Kit-Objektivs

Bei einer Brennweite von 45mm (also der maximalen Brennweite des Objektives) hat das Objektiv Probleme und zeigt bei Nutzung der größtmöglichen Blendenöffnung von f/6,3 unschöne “Helligkeits-Säume” (um die Blüten im Hintergrund herum). Auch lässt die Schärfe bei 45mm nach:

Dieses Problem ist bei Aufnahmen unter 35mm Brennweite nicht aufgetreten und hängt auch etwas mit der Lichtsituation zusammen. Schließt man bei 45mm die Blende auf f/10 ist das Problem nicht mehr sichtbar. Hier kommt man dann offensichtlich an die Grenzen den sehr günstigen Objektivs. Viele Objektive zeigen in den “Maximalbereichen”, also bei Nutzung der kürzesten oder längsten Brennweite mit der größtmöglichen Blendenöffnung Probleme, dies ist hier also nicht ungewöhnlich.

Ein weiteres Beispiel (Kit-Objektiv bei 35mm, ISO 640, ebenfalls Blende f/6,3) – hier sind die “Licht-Säume” aus dem Blütenbild nicht vorhanden:

Canon EOS M50, EF-M 15-45mm, 35mm, Blende f/6,3, 1/60 Sekunde, ISO 640
Canon EOS M50, EF-M 15-45mm, 35mm, Blende f/6,3, 1/60 Sekunde, ISO 640

 

Ein weiteres Testbild von der Burg Eltz – das Bild wurde in Lightroom etwas nachbearbeitet (Belichtung+, Kontrast+, Schärfe auf 40, Tiefen+, Verlaufsfilter für den Himmel)

 

Beispiel einer Langzeitbelichtung mit der Canon EOS M50:

Canon EOSM50, Kit-Objektiv 15-45mm, 30 Sekunden, f/9, Haida Graufilter (64x + 8x)
Canon EOSM50, Kit-Objektiv 15-45mm, 30 Sekunden, f/9, Haida Graufilter (64x + 8x)

Original-RAW: Download

Ein kurzes Testvideo ohne jegliche Bearbeitung (Full HD, 25 Bilder/Sekunde) – besonders die “weiche” Schärfe-Nachführung des Autofokus ist hier zu beachten:

Objektivauswahl

Als größter Nachteil des Canon M-Systems wird häufig die zu geringe Auswahl an passenden Objektiven genannt. Zwar gibt es Adapter*, mit denen man Canon EF-Objektive an den Canon M-Kameras nutzen kann, es wäre jedoch schön, wenn Canon oder andere Hersteller hier mehr Auswahl an (hochwertigen) Canon M-Objektiven bieten würden.

Canon selbst bietet für das M-System aktuell 7 Objektive an, das 15-45mm Kit-Objektiv mitgerechnet:

Soweit mir bekannt ist, bietet bis auf Samyang bisher kein anderer Hersteller Objektive für Canon-M an. Von Samyang wäre hier besonders das lichtstarke 12mm-Objektiv zu erwähnen, das sich auch für die Astrofotgrafie eignet.

Die Samyang-Objektive sind jedoch alle manuell, d.h. die Blende und der Fokus müssen immer manuell am Objektiv eingestellt werden.

  • Samyang 12/2,0 Objektiv APS-C Canon M, manueller Fokus und Blende (ca. 366€ bei Amazon*)
  • Weitere Samyang Objektive für Canon-M bei Amazon*

Vor- und Nachteile

Ich konnte die Kamera nur wenige Tage lang testen – Meine Praxiserfahrungen mit der Canon EOS M50 basieren also nicht auf einem Langzeittest. In meinem recht kurzen Test konnte ich die folgenden in der Paxis für mich relevanten Vor- und Nachteile feststellen:

Vorteile

  • Gute Bildqualität auch mit Kit-Objektiv, bei einem so günstigen Objektiv darf man jedoch keine Wunder erwarten
  • Tolles (schwenkbares) Display
  • Touch-Bedienung am Display funktioniert sehr gut
  • Einfache Bedienbarkeit / Gute Benutzerführung in den Menüs
  • Klein & leicht
  • Sehr guter Autofokus (“Dual-Pixel”)
  • Fokus-Peaking bei manueller Fokussierung (Kamera markiert Schärfe-Ebene in der Live-View)
  • Elektronische 3D-Wasserwage (Neigung links/rechts, vorne/hinten)
  • Gutes Preis/Leistungsverhältnis

Nachteile

  • Geringe Auswahl an direkt passenden Objektiven (jedoch Adapter erhältlich)
  • Akkulaufzeit könnte besser sein
  • 4K-Videoaufnahmen nur mit Crop-Faktor (2,56x)
  • Kein Dual-Pixel Autofokus im 4K-Videomodus

Fazit zum ersten Test der Canon EOS M50

Die Canon EOS M50 ist eine sehr gute “Allround”-Kamera, die sich in erster Linie an fortgeschrittene Einsteiger richtet. Die Auflösung und die Bildqualität insgesamt sind gut und vollkommen ausreichend für sehr viele Anwendungsfälle. Das Rauschverhalten des Sensors ist auf dem Niveau guter, aktueller APS-C Kameras und bis ISO 3200 aus meiner Sicht in Ordnung (bei nachträglicher Rauschreduzierung). Das schwenk- und klappbare Touch-Display lässt sich sehr gut bedienen und macht die Kamera flexibel einsetzbar – ob als Videokamera oder für Foto-Aufnahmen. Leider steht bei 4k-Videoaufnahmen der sehr gute Dual-Pixel Autofokus nicht zur Verfügung und macht zusammen mit dem Crop-Faktor von 2,56 die Kamera zu keiner perfekten Video-Blogging bzw. 4k-Videokamera. Als “immer dabei”-Fotokamera (oder als FullHD-Videokamera) die wirklich Spaß macht eignet sich die EOS M50 hingegen gut, wenn man mit der noch recht geringen Auswahl an Canon M-Objektiven leben kann.

Die Kamera ist als Set mit 15-45mm Objektiv für 699€ z.B. bei Amazon* erhältlich. Das Gehäuse ohne Objektiv kostet 580€*. Zum Preis von ca. 949€ ist zudem ein Set mit 15-150mm Objektiv bei Amazon* erhältlich.

Einen weiteren, sehr ausführlichen Test der Kamera gibt es außerdem bei the-digital-picture (Englisch).

Angebot

Letzte Aktualisierung am 22.04.2018 / Affiliate Links / Bilder: Amazon

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland.

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