Im Januar 2018 haben meine Frau und ich die vierte Winter-Reise nach Norwegen unternommen um erneut diese fantastische, wilde Landschaft und Polarlichter zu fotografieren. Die Lofoten bieten neben dem Polarlicht unzählige Motive, hauptsächlich gehe ich in diesem Artikel aber auf die Fotografie der Nordlichter, das benötigte Equipment sowie die Bedingungen in Nord-Norwegen ein.

Vorbereitungen

Um das Nordlicht sehen und fotografieren zu können müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst lässt sich das Nordlicht natürlich nur im Winter beobachten, da es in den Sommermonaten im hohen Norden nicht dunkel wird und das Polarlicht dadurch nicht sichtbar ist. Polarlicht lässt sich zwischen Oktober und April in Nord-Norwegen beobachten, da nur dann die Nächte dunkel sind. Zu dieser Jahreszeit ist das Wetter in Nord-Norwegen und insbesondere auf den Lofoten kalt und sehr wechselhaft, aber eben auch sehr interessant und häufig spektakulär. Ich war im Winter im Januar, Februar und März auf den Lofoten und hatte bei jeder Reise das Glück in mehreren Nächten das Nordlicht beobachten zu können. Grundvoraussetzung um das Nordlicht sehen zu können, ist ein möglichst wolkenloser Himmel, der auf den Lofoten leider nicht ganz so häufig vorkommt. Wir reisen immer für mindestens 10 Tage auf die Lofoten, um möglichst gute Chancen auf passendes Wetter an mehreren Tagen zu haben. Neben dem klaren Himmel muss es Sonnenaktivität geben, also Emissionen von elektrisch geladener Teilchen von der Sonne aus, die dann in den oberen Schichten der Erdatmosphäre an den Polen der Erde auftreffen und durch die dabei entstehende Energie das Leuchten verursachen.

Es gibt verschiedene Webseiten und Apps, welche die Sonnenaktivität und Vorhersagen der Polarlicht-Aktivität (“Kp-Index”) anzeigen, zum Beispiel die Webseite SpaceWeatherLive oder die App “AuroraForecast“. Die Vorhersagen sind nicht sehr genau möglich, sie geben jedoch erste Anhaltspunkte dafür, ob aktuell überhaupt mit Polarlicht-Aktivität zu rechnen ist.

Equipment – Kameras und Objektive

Das Nordlicht lässt sich grundsätzlich mit jeder Kamera fotografieren, die es ermöglicht eine lange Belichtungszeit (< 20 Sekunden) einzustellen. Soweit die Theorie, denn in der Praxis gibt es einige Probleme zu lösen: Das Nordlicht ist häufig nicht sehr hell, “bewegt” sich aber in Schlieren am Himmel.

Wenn man also eine sehr lange Belichtungszeit wählen würde um das wenige Licht im Bild sichtbar zu machen, würde das Nordlicht sehr verschwommen und als grüne “Masse” dargestellt werden, feine Strukturen würden untergehen. Außerdem würden durch die Erdrotation bei einer langen Belichtungszeit von etwa 25 Sekunden (bei Weitwinkel) oder mehr die Sterne nicht mehr punktförmig dargestellt. Somit ist eine sehr lange Belichtungszeit keine so gute Option.

Es bleibt also die Möglichkeit ein möglichst lichtstarkes Objektiv zu nutzen, das durch eine große Blendenöffnung viel Licht auf den Sensor leitet – oder die Empfindlichkeit der Kamera zu erhöhen, um das eintreffende Licht zu verstärken. Oft ist beides nötig um das beste Ergebnis zu erzielen, also eine große Blendenöffnung von f/1,8 bis f/2,8 und gleichzeitig eine hohe Empfindlichkeit (ISO 400 bis ISO 2500). Je nach Stärke des Polarlichts variieren natürlich die notwendigen Einstellungen an der Kamera. Ein sehr starkes Polarlicht erfordert kürzere Belichtungszeiten (manchmal nur 1-3 Sekunden), da Teile des Nordlichts im Bild sonst überbelichtet, also zu hell, abgebildet werden.

Ich selbst fotografiere aktuell mit der Canon 5D Mark IV und speziell für Nordlicht-Aufnahmen mit dem lichtstarken (= große Blendenöffnung) Sigma 24mm f/1,4 Art Objektiv – natürlich bekommt man auch mit günstigeren Kameras hervorragende Bilder hin. Die 24mm meines Sigma-Objektivs sind mir fast nicht “Weitwinkelig” genug, hier würde ich eher das 20mm empfehlen.

Ich habe beispielhaft einige Kameras und Objektive zusammengestellt, die sich meiner Meinung nach für die Polarlicht-Fotografie eignen:

Der Sensor der Kamera sollte möglichst groß sein, also APS-C oder noch besser Vollformat.

Beispiel-Kameras (Canon):

  • Canon EOS 1300D (APS-C Sensor), ca. 380€* inkl. Standard-Objektiv bei Amazon.
  • Canon EOS 6D Mark II (Vollformat), ca. 1700€* ohne Objektiv bei Amazon.

Beispiel-Kameras (Sony):

  • Sony Alpha 6000, 6300 oder 6500 (APS-C Sensor), ab 416€* bei Amazon (Sony Alpha 6000 ohne Objektiv)
  • Sony Alpha 7-Reihe, ab ca. 850€* bei Amazon (Alpha 7 ohne Objektiv)

Das Objektiv sollte möglichst lichtstark sein und einen großen Aufnahmewinkel haben, also ein Weitwinkel-Objektiv. Beispiel-Objektive für Canon (APS-C und Vollformat):

Beispiel-Objektive für Sony (E-Mount):

 

Natürlich sind Polarlicht-Aufnahmen auch mit anderen Kameras und Objektiven möglich. Selbst Kameras mit kleineren Sensoren (MicroFour-Thirds / MFT) wie z.B. die Panasonic Lumix GX8 liefern gute Ergebnisse. Natürlich bringt der kleinere Sensor aber mehr Bildrauschen mit sich.

Equipment – Sonstiges

Um Aufnahmen des Polarlichts machen zu können, benötigt man außerdem ein Stativ – ohne Stativ sind schlicht keine  verwacklungsfreien, scharfen Bilder möglich.
Die Auswahl an Stativen ist sehr groß. Da ein Stativ normalerweise viele Jahre lang genutzt wird, empfiehlt sich hier etwas Geld zu investieren und nicht das billigste Modell zu nehmen, was dann später durch einen frickeligen Aufbau oder Instabilität nervt. Ich nutze ein Carbon-Stativ von Manfrotto, es gibt natürlich auch andere Hersteller, die gute Stative herstellen. Je nachdem was man investieren möchte, würde ich hier zum Beispiel das Vanguard Dreibeinstativ Veo 2 265CB (ca. 210€ inkl. Kugelkopf*) empfehlen, oder das Rollei C5i Carbon-Stativ (ca. 185€ inkl. Kugelkopf*). Alu-Stative erfüllen selbstverständlich auch ihren Zweck, sind günstiger aber i.d.R. etwas schwerer (und unangenehmer zu Tragen bei Kälte).

Wer Nordlichter fotografieren möchte, fotografiert diese bei Kälte und muss häufiger draußen lange auf das Licht warten – also ist sehr warme Kleidung gefragt. Neben sehr warmen Winterstiefeln und Winterjacke/Parka, benötigt man gute Handschuhe und zum Beispiel Merino-Wäsche für drunter. Bei unseren Reisen nach Nord-Norwegen hatten wir Sonnenschein bei knapp 10 Grad, aber auch sehr heftige Schneestürme und Temperaturen von -14°C.

Weitere Ausrüstungstipps:

Letzte Aktualisierung am 14.10.2018 / Affiliate Links* / Bild: Amazon

 

Wetter & Autofahren

Wie oben schon erwähnt haben wir auf unseren Reisen sowohl sehr sonniges Wetter mit Temperaturen über 0 Grad, aber auch starke (Schnee-) Stürme mit Windgeschwindigkeiten von weit über 100 km/h und Temperaturen von bis zu -14 Grad erlebt. So kalt wie in Finnland und Nord-Schweden wird es aber an der norwegischen Küste und auf den Lofoten Dank des Golfstroms normalerweise nicht.

Den Wetterbericht beobachten wir vor Ort über die Smartphone-App des norwegischen Wetterdienstes oder deren Webseite yr.no. Auch WeatherPro hat mit den Vorhersagen recht gut getroffen – aber es lagen oft auch alle Vorhersagen daneben, da sich das Wetter einfach sehr schnell ändern kann.

Um möglichst viele interessante Orte und Fotospots aufsuchen zu können, mieten wir uns im Voraus einen Mietwagen, die übrigens nach unserer Erfahrung im Winter immer mit Spikes ausgestattet sind. Die Straßenverhältnisse sind im Winter auf den Lofoten und insgesamt in Nord-Norwegen zu dieser Jahreszeit sehr “interessant”. Zum Einen sind die Straßen an sich schon sehr kurvig und bergig, zum Anderen sorgt der Schnee für häufig extrem glatte Straßen, die meistens nicht komplett geräumt werden, sondern nur so weit, dass der Schnee befahren werden kann. Das führt dann zu Straßen, die vollständig mit einer dicken Eisschicht überzogen und spiegelglatt sind.

Daher ein paar Tipps zum Autofahren auf norwegischen Winter-Straßen:

  • Prüfen ob die Reifen mit Spikes ausgestattet sind.
  • Vorsicht: Gerade die LKW fahren auch im Winter häufig die maximal erlaubte Geschwindigkeit und nehmen eher wenig Rücksicht.
  • Die Straßen sind sehr kurvig und bergig, der Fahrer guckt daher immer nach vorne auf die Straße und nicht in der Gegend herum.
  • Nicht auf den Schnellstraßen einfach anhalten – dafür gibt es (wenig) Parkplätze – Auch wenn die Landschaft noch so schön ist.
  • Möglichst nicht auf den Schnellstraßen herumlaufen.
    • Da sich nicht jeder daran hält oder es manchmal nicht anders geht: Es können Fußgänger auf der Straße unterwegs sein, auch in einsamen Gegenden.
  • Sehr vorausschauend fahren.
  • Damit man bei einem Unfall schnell Hilfe holen kann,  am Besten eine App wie “echo112” auf dem Smartphone installieren, mit deren Hilfe man den Rettungsdienst/Polizei an den genauen Unfallort führen kann. Es kann sonst sehr schwierig sein, den genauen Unfallort zu beschreiben – “irgendwo an der E10 am Fjord” würde da nämlich nicht weiterhelfen (die E10 ist sehr lang und Fjorde gibt es viele).

Generell sollte man für 60km Strecke etwa 1 Stunde fahrt einplanen. Es gibt auf den Lofoten keine Autobahnen, sondern nur Landstraßen, die oft nicht sehr breit sind.

Flug und Anreise

Die Lofoten können zum Beispiel mit der Fluggesellschaft SAS von Düsseldorf über Oslo erreicht werden – je nach Flug muss man eventuell auch in Kopenhagen umsteigen (Düsseldorf -> Kopenhagen -> Oslo). Von Oslo aus fliegt man dann mit SAS weiter nach Harstad/Narvik auf die Lofoten. Es ist außerdem möglich von Oslo aus mit der  Fluggesellschaft Widerøe direkt zu kleinen Flughäfen auf den Lofoten zu fliegen, je nachdem wo auf den Lofoten man die Unterkunft gebucht hat. Die Autofahrt vom Flughafen Harstad/Narvik nach Svolvaer dauert bei guten Straßenverhältnissen mindestens 2 1/2 Stunden – wer also eine Unterkunft in Leknes oder noch weiter südlich bucht, sollte vielleicht lieber direkt nach Leknes fliegen, um die Lange Fahrt vom und zum Flughafen zu vermeiden. Bis 2017 musste man beim Umsteigen in Oslo seinen Koffer entgegen nehmen, durch den Zoll gehen und das Gepäck dann wieder neu einchecken – inklusive Sicherheitskontrolle. Mittlerweile gibt es in Oslo ein neues Verfahren, man muss also nicht mehr selbst durch den Zoll, Checkin und Sicherheitskontrolle. Man folgt jetzt nach dem Aussteigen einfach der Beschilderung und kann nach kurzer Wartezeit zum entsprechenden Abflug-Gate gehen.

Unterkünfte

Unterkünfte gibt es auf den Lofoten reichlich, man sollte jedoch auch im Winter früh genug (= einige Monate vor der Reise) buchen. In den letzten Jahren hat der Tourismus auch im Winter stark zugenommen und die Preise für Hotels und Airbnb Unterkünfte sind hoch. Da die schönsten Orte und Strände eher im Süden der Lofoten sind, bietet sich eine Unterkunft auf der Höhe von Leknes bis Svolvaer an, um die Fahrtdauer zu den einzelnen Spots zumindest einigermaßen überschaubar zu halten.

Fotospots finden

Polarlichter fotografiert man möglichst außerhalb von Ortschaften, da es nur dort dunkel genug ist. Es gibt zahlreiche tolle Strände, Buchten und Fjorde, die ein gutes Nebenmotiv zum Polarlicht darstellen. Mittlerweile sind diese Spots alle keine Geheimtipps mehr und man ist nicht mehr so häufig alleine wie noch vor einigen Jahren. So ist es schon vorgekommen, dass die Parkplätze am Strand vom winzigen Ort Uttakleiv um Mitternacht fast komplett mit Autos belegt waren, weil jeder das Nordlicht fotografieren möchte.

Auch am Fischerdorf Hamnøy wird gerne das bekannte Motiv mit den roten Häusern im Vordergrund und dem spitzen Berg dahinter von der Brücke aus fotografiert.

Bekannte (und gute) Locations zum Fotografieren des Polarlichts sind, wie oben schon erwähnt, z.B. der Strand am kleinen Dorf Uttakleiv, der Strand Haukland ganz in der Nähe und der Srand Skagsanden bei Flakstad. Es gibt natürlich unzählige weitere gute Orte, an denen man das Nordlicht fotografieren kann, manchmal direkt neben der E10. Es empfiehlt sich unbedingt tagsüber nach guten Plätzen zu suchen und diese im Navi abzuspeichern. So kann man diese Plätze in der Dunkelheit schnell wiederfinden, wenn die Bedingungen für Polarlicht gut sind. Doch was ist ein guter Ort, um Polarlicht zu fotografieren? Es sollten möglichst keine großen Orte in der direkten Nähe sein, was allerdings auf den Lofoten meistens sowieso nicht der Fall ist. Dann sollte es die Möglichkeit geben, einen schönen Vordergrund mit in das Bild zu nehmen, zum Beispiel Steine oder einen Strand. Spiegelungen gefallen mir in solchen Aufnahmen sehr gut, also halte ich nach Seen oder gar Pfützen am Strand oder an felsigen Küsten Ausschau um dort die Spiegelung vom Polarlicht sichtbar zu machen.

Nordlicht fotografieren – Tipps

Wie oben schon erwähnt, ist das Nordlicht sehr unterschiedlich stark und häufig in sich bewegenden Schlieren am Himmel sichtbar. Wenn es nur eine Schwache Aktivität gibt, ist das Licht mit bloßem Auge gar nicht oder nur mit Übung zu erkennen – man verwechselt das Polarlicht dann häufig mit einer grauen Wolke, da das Licht bei schwacher Aktivität nicht grün leuchtet. Die Farbe wird dann erst auf den Fotos sichtbar und reicht von grün bis lila/rot.

Neben der Jahreszeit, dem passenden Wetter und der Sonnenaktivität ist auch die Mondphase zu beachten. Ich nutze die Smartphone-App “Photopills” um die Mondphase zu prüfen und schon im Voraus (vor einer geplanten Reise) zu bestimmen. Bei Vollmond ist es natürlich wesentlich heller als bei Neumond. Polarlicht-Bilder können auch bei Halb- oder Vollmond interessant sein, die Bilder sehen dann jedoch ganz anders aus – mir gefallen Bilder bei Neumond oder maximal Halbmond persönlich besser.

Einige Beispielbilder mit den jeweiligen Kamera-Einstellungen von den Reisen auf die Lofoten und ein Beispielbild aus Island:

Zum Vergleich ein Nordlicht-Bild, welches bei (fast) Vollmond entstanden ist – und bereits in der Nachbearbeitung abgedunkelt wurde:

Einstellungen an der Kamera

Die Einstellungen der Kamera variierten bei den oben gezeigten Bildern stark – je nach Intensität der Polarlichts und der Umgebungshelligkeit. Allgemein gültige Einstellungen gibt es also nicht. Ich versuche mit der Belichtungszeit unter 15 Sekunden zu bleiben, damit die feinen Strukturen des Lichts möglichst noch erkennbar sind, was aber nicht immer möglich ist. Selbst bei 8 Sekunden kann das Licht schon “verschwimmen”, wie im beispielhaften Bild aus Island oben stellenweise erkennbar. Wenn man die Blende schon so weit wie möglich geöffnet hat und die Belichtungszeiten trotzdem zu lang werden, bleibt nur noch die Empfindlichkeit (also die ISO-Zahl) zu erhöhen – was aber mehr Rauschen in das Bild bringt. Es empfiehlt sich immer viele Bilder mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen und die Einstellungen immer wieder anzupassen, da sich die Intensität des Polarlichts schnell ändern kann.

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Autor

Martin

Martin

Spezialisiert auf Landschaftsfotografie, insbesondere in Skandinavien, Benelux, Deutschland. ⓘ Equipment